„Könnt ihr euch noch erinnern, als wir Johannas ersten Brief aus Übersee bekamen? Die Oma hat nicht mehr aufgehört zu weinen.” Ich spitzte die Ohren.

Bereits als Kind liebte ich Verwandtschaftstreffen und saß gern in der Runde zwischen meinen Großeltern, Eltern, Tanten und Onkeln. Sie hatten einander immer viel zu erzählen: meine Mutter und mein Vater von ihrem zwölfjährigen Aufenthalt in Brasilien, ihre Eltern und Geschwister von den Ereignissen in der Heimat. Stundenlang konnte ich ihren Schilderungen lauschen. Es wurde nie langweilig. Das Interesse für Geschichten, die das Leben aneinander reiht, ist mir geblieben.

Zehn Jahre nach meinem Lehramtsstudium für Französisch und Geschichte in Wien und zwei Semestern an der Sorbonne in Paris absolvierte ich 1992 die Ausbildung zur Museumspädagogin. Die Leitung der Landesausstellung Oberösterreich 1996 gab mir die wunderbare Möglichkeit, mich über ein Jahr lang intensiv mit dem Komponisten Anton Bruckner zu beschäftigen. Ich hätte viele Fragen an ihn gehabt.

Diese Erfahrung führte mich von der Biografie zur Autobiografie. Es ist doch um vieles spannender, die Lebensgeschichten aus erster Hand zu hören. So habe ich meine Leidenschaft zum 2.Beruf gemacht. Ich kann mich glücklich schätzen.