Was mir wichtig war.

Meine Lebenserinnerungen

Mir kam eine Idee: Ich suchte um einen Erholungsurlaub im Ausland an, argumentierte, ich hätte als Arzt viel für das Land getan, sei nun erschöpft und bräuchte Erholung.
Unter dem kommunistischen Regime in der Tschechoslowakei war es etwas absolut Außergewöhnliches, einen Auslandsurlaub genehmigt zu bekommen. Ein „Normalsterblicher“ fuhr damals einfach nicht ins Ausland! Umso größer war die Freude, als mir und meiner Familie im Sommer 1964 tatsächlich ein Urlaubsaufenthalt an der jugoslawischen Adriaküste gestattet wurde.
Wir konnten kaum etwas mitnehmen; sieben Personen mit sieben Koffern verließen in zwei Autos ihre Heimat.

In Jugoslawien hielten sich nur Josef und Tatjana mit meiner Mutter und Schwester tatsächlich wie Urlauber am Strand von Opatija auf. Meine Frau, ihr Bruder und ich suchten in Ljubljana wiederholt das Österreichische Konsulat auf, um unsere Flucht vorzubereiten.

Ich studierte auf der Landkarte genau unseren Fluchtweg über den Grenzübergang am Loiblpass: Kurz hinter der Grenze, bereits auf österreichischem Staatsgebiet, gab es einen Straßentunnel. Ich wusste: Sobald wir den erreicht haben würden, hätten wir es geschafft.
Der Plan war nämlich folgender: Sollte es an der Grenze zu Unstimmigkeiten kommen, würde man uns womöglich aufhalten, wollten wir einfach Gas geben und durchfahren. Um ein bisschen gegen eventuellen Beschuss von hinten geschützt zu sein, stapelten wir in den beiden Autos unsere Koffer vor der Heckscheibe.
Das Schicksal oder der Zufall leistete einen wichtigen Beitrag zum Gelingen unserer Flucht: Wir besaßen keine Reisepässe – so wie alle anderen in der Tschechoslowakei, außer vielleicht Diplomaten, da man ja keine Auslandsreisen unternahm. Für unsere Jugoslawienreise hatten wir eigens ein Papier ausgestellt bekommen, auf dem sich ein Stempel „Hin und Zurück durch Ungarn“ befand. Auf den Dokumenten von Irene und meiner Mutter hatten man diesen Aufdruck „Hin und Zurück durch Ungarn“ vergessen.

Der 31. August 1964 war der Tag unserer Flucht: Ich legte vor der Grenzkontrolle alle unsere Reisedokumente auf einen Stapel, die beiden Scheine von Mutter und Irene zuoberst, in der Hoffnung, den Grenzbeamten damit täuschen zu können. Tatsächlich blätterte der jugoslawische Zöllner den Stapel nur durch und ließ uns ohne Probleme passieren!

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