Erhard Seyfried

Lebenserinnerungen eines einarmigen Musikers

Was auch immer ich über den ORF und mein Verhältnis zu ihm berichten werde, ich bin dieser Institution unendlich dankbar, dass ich nach Ende des Zweiten Weltkriegs vierzig Jahre hindurch als bescheidenes Orchestermitglied diese schöne Zeit mit gestalten durfte, zusammen mit ausschließlich netten Hornkollegen; eine Zeit, die sicher nicht mehr wiederkehren wird, wie mir aktive Orchesterkollegen glaubhaft versichert haben.
Natürlich war das Dienstverhältnis nicht immer von eitel Wonne und Wohlwollen geprägt, aber man erinnert sich eben an unangenehme Erlebnisse eher als an die vielen schönen Konzerte, Aufnahmen und Veranstaltungen. So war es oft das mangelnde Verständnis der Direktion für den Musikerberuf, das nicht notwendige und ungute Situationen geschaffen hat.

Ein prinzipielles Hindernis für die gute Klangqualität eines Orchesters ist Holz, Holz und wieder Holz. So auch im großen Sendesaal des ORF. Als unser Orchester vielleicht zum ersten Mal im Großen Musikvereinssaal musizierte, fiel sogar der Musikkritik „das überraschend klangschön spielende große Rundfunkorchester auf“! Ich glaube nicht, dass dies die Direktion jemals mitbekommen hat.

Unlängst berichtete der beliebte österreichische Dirigent Franz Welser-Möst in einem Interview über die Qualität amerikanischer Orchester und stellte dabei fest, wie sehr die Tonqualität eines Klangkörpers von der Akustik des Saales abhängt, in dem zumeist gespielt wird. Na endlich, dass das einmal ein Fachmann ausgesprochen hat!!

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