Leopold Preier

Das Lachen der Kinder

Anfang Dezember 1944, ich war knapp sechzehn Jahre alt, rief man mich unerwartet zu einem Gespräch in das Gebäude der HJ-Bannführung. In einem leeren Raum saß mir ein kriegsversehrter SS-Offizier gegenüber. Vor mir lag ein Schriftstück. Der Offizier begann in glühenden Worten von den Heldentaten unserer Soldaten zu berichten und erzählte von Hitlerjungen, die bei Fronteinsätzen Panzer mit Panzerfäusten abgeschossen hätten und dafür mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden wären. Offensichtlich wollte er mich für die SS gewinnen. Am Ende seiner Ausführungen deutete er auf das Papier und forderte mich auf zu unterschreiben. Ich hatte bis dahin zugehört und einige Male stumm genickt. Nun musste ich mich entscheiden. „Ich unterschreibe nicht. Ich melde mich nicht freiwillig zur SS“, antwortete ich schließlich bestimmt. Woher ich den Mut dazu nahm, weiß ich nicht. Meine Antwort kam für den SS-Mann so unerwartet, dass ihm der Mund offenblieb. Doch seine Überraschung währte nur kurz und wurde von einem Zornesausbruch abgelöst. Was ich mir denn eigentlich erlaube, was ich mir denn vorstelle, schrie er mich an. „Ich will zur Luftwaffe“, erwiderte ich kühl, um nicht als Totalverweigerer dazustehen. Wir Jungen wussten natürlich, dass es in dieser Phase des Krieges kaum mehr eine Luftwaffe gab und keine Aussicht bestand, als Flieger ausgebildet zu werden. Damit war der Fall erledigt und die SS kein Thema mehr für mich.

<< zurück