Die Liebe hört niemals auf

Leben und Schriften der Katharina Felder

Isoliert, gleichsam im Exil, verbrachte Katharina Jahr um Jahr. Abgesehen von den Nachbarn nahm die Öffentlichkeit kaum Notiz von ihr. Weder auf der Straße noch in der Kirche trat sie in Erscheinung. Obwohl ans Bett gefesselt, fand Katharina eine Beschäftigung, die ihrem inneren Anliegen entsprang und ihr zugleich die fehlenden Gesprächspartner ersetzte: Sie schrieb Briefe, nahezu täglich, sofern ihr gesundheitlicher Zustand es zuließ.

Im Laufe der Zeit brachte Katharina es dabei zu großer Meisterschaft. Offensichtlich lag im Briefschrieben auch ihre stärkste Begabung; man könnte sie durchaus als Epistologin bezeichnen.

... So schrieb sie sehr langsam, dafür aber mit gestochen klarer, feiner Schrift; die Zeilen schnurgerade und nur wenige Millimeter hoch. Ihre Briefe, oft mit phantasievollen Zeichnungen oder aus Zeitschriften ausgeschnittenen Fotos verziert, machte sie so zu kleinen Kunstwerken.

Pfarrer Hildebrand erlebte Katharina einmal am frühen Morgen, nach den „Prozeduren”, die sie stets aufs Neue als demütigend und quälend empfand: Aschfahl im Gesicht, schien jedes Leben aus ihr entwichen. Doch im Laufe des Vormittags erblühte sie wie eine Blume, bekam rote Wangen und lächelte sogar. „Katharina”, staunte er, „Sie schauen so fröhlich drein. Haben Sie denn jetzt keine Schmerzen?”
Ihre humorvolle Antwort verwunderte ihn: „Ach, Herr Kaplan, wenn ich einmal keine Schmerzen hätte, würde ich glauben, ich wäre krank!”

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